Die Schule ist aus für Martin Teufel

Rektor des Bildungszentrums »Ritter von Buß« in den Ruhestand verabschiedet – Kollegen und Weggefährten wünschen alles Gute für die »Nachschulzeit«

Keine Angst vor zu viel Freizeit zeigt Martin Teufel. Mit Alice Coopers teuflisch guter Hymne »School’s Out« verabschiedete sich der Rektor des Bildungszentrums »Ritter von Buß« am Mittwoch offiziell in den Ruhestand. Der beginnt am 1. August. Gelöst und voller Freude auf das, was kommt, genossen Evi und Martin Teufel (Mitte) die Verabschiedungsfeier. Am 1. August beginnt die »Nachschulzeit« des Pädagogen. Mit Übergabe und Unterzeichnung der Ruhestandsurkunde durch Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich war der Ruhestand von  Martin Teufel besiegelte Sache. Horst Koller (SBBZ Lernen, rechts) sprach für die Kollegen der Talschulen, die ebenfalls gekommen waren (von links nach rechts: Swenja Gäthje, Karin Alst, Alexandra Maginot, Petra Großmann). Mehr als 100 Personen waren zur Verabschiedung gekommen. Darunter waren (von links nach rechts) Ewald Glatz (Elternbeiratsvorsitzender), Horst Koller (SBBZ Lernen), Günter Pfundstein (Bürgermeister), Johanna Schaeffer (Personalrat), Evi und Martin Teufel, Gabriele Weinrich (Schulamtsdirektorin). Der Lehrerchor war kreativ und hatte »Paint it Black« von den Rolling Stones umgedichtet. Er erntete mit dem neuen Text so manchen Lacher. »Wir wünschen Ihnen ab nächsten Mittwoch schöne und gaaanz lange Ferien.« Mit diesen Worten verabschiedeten sich die Grundschulkinder. Sie hatten einen Tanz für ihren Rektor vorbereitet.
Nach 43 Jahren im Schuldienst geht der Rektor des Bildungszentrums »Ritter von Buss« in den wohlverdienten Ruhestand. Zu seiner offiziellen Verabschiedung waren zahlreiche Kollegen, Weggefährten, Mitglieder der politischen Gemeinde, Vertreter örtlicher Unternehmen und andere zu einem großen »Klassentreffen« im Kulturzentrum »Obere Fabrik« zusammengekommen.
Lehrer aus Berufung
»Als 66-jähriger Schulleiter bin ich heute genauso aufgeregt wie als 6-jähriger Penäler«, stellte Martin Teufel selbst fest, bevor es für ihn darum ging, ein kleines Fazit seiner beruflichen Laufbahn zu ziehen. Aus dem Verlegenheitsstudium »Lehramt« habe sich eine echte Berufung entwickelt, sagte er. Sein Ziel als Rektor sei es immer gewesen zu gestalten, Lern- und Lehrvoraussetzungen zu verbessern. Er bedankte sich bei den Menschen aus dem privaten und beruflichen Umfeld, die ihm auf seinem Weg auch bei den Schicksalschlägen begleitet haben und weiter begleiten. Vor dem viel beschworenen Ruhestandloch hat er keine Angst. Er freut sich darauf, endlich Herr seiner Zeit zu sein und seine Enkeltöchter aufwachsen zu sehen. Außerdem gibt es da ja noch das Mandat im Stadtrat und im Kreistag und das schwarze Käfer-Cabrio, das bei schönem Wetter jetzt schon häufig für eine Ausfahrt mit seiner Frau Evi herhalten muss. Lokalpolitisch ist Martin Teufel bei der Grünen Liste zu Hause.
Zuvor hatten zahlreiche Wegbegleiter auf sein Lehrerleben zurückgeblickt. Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich charakterisierte Teufel als Teamplayer, der stets viel Wert auf Qualität gelegt hatte und andere von seinen Ideen zu überzeugen wusste. Dass ihm das Zusammenspiel aller Beteiligten immer sehr wichtig gewesen war, stellte sie genauso heraus, wie sein Bestreben, dass sich die Schülerinnen und Schüler wohl und wertgeschätzt fühlen.
Martin Teufel erkundete die gesamte Bildungslandschaft und hat – so stellte Weinrich fest, alle Schularten selbst erlebt: Er besuchte die Volksschule in Gengenbach, dann die Realschule in Offenburg und wechselte von dort ans Wirtschaftsgymnasium. In seinem Studium vertiefte er sein Interesse für die Fächer Mathematik und Physik. Die Zulassungsarbeit schrieb er zum Thema »Sozialerziehung in der Grundschule«. Eine Thematik, die ihn in seinem Lehrerleben begleitete. Die Schulamtsdirektorin hatte die Personalakte gut studiert und konnte deshalb überraschende Details preisgeben, wie etwa den Umstand, dass Teufel, katholisch getauft, als junger Lehrer in einem evangelischen Pfarrhaus wohnte.
1988 wurde Martin Teufel an die Brandenkopfschule nach Oberharmersbach versetzt. Eine weitere berufliche Station führte in an die Ziegelwaldschule nach Gengenbach, wo er von 2008 bis 2012 zum Schulleiter bestellt war. Nach einer kurzen Zwischenstation an der Werkreal- und Realschule in Gengenbach trat er im August 2014 als Rektor im Ritter-von-Buß-Bildungszentrum in seiner Heimatstadt Zell den Dienst an.
Dort habe er, da waren sich alle Redner einig, in kurzer Zeit große Spuren hinterlassen. Der neue Bildungsplan musste umgesetzt werden, der Lebensraum »Schule« neu gestaltet. Die Mensa wurde gebaut, Selbstlernbereiche eingerichtet, die Ganztagesbetreuung ausgeweitet und die Schulküche renoviert, so dass die Schülerinnen und Schüler im Bildungszentrum nun tatsächlich Gerichte »aus Teufels Küche« servieren können. Auch die Vernetzung und die Installation von interaktiven Tafeln fallen in die Amtszeit von Rektor Martin Teufel. Mehr als fünf Millionen Euro wurden seit 2015 in das Bildungszentrum investiert. »Danke für Ihr Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit«, schloss Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich, bevor sie als letzten Amtsakt die Entlassurkunde übergab.
Mit festen Werten
Bürgermeister Günter Pfundstein, als Stadtoberhaupt Vertreter des Schulträgers, betonte die Verdienste Teufels um den Erhalt der Werkrealschule. Mit festen Überzeugungen und Wertvorstellungen habe sich Teufel für den Erhalt der Werkrealschule eingesetzt – ein Schritt, der sich als richtig herausgestellt habe, was deutlich steigende Schülerzahlen zeigten. »Mit ihnen geht ein Stück der alten Lehrergeneration«, bedauerte Pfundstein. Teufel hätte mehr als Wissen vermittelt, er habe die Schüler auf das Leben vorbereitet. Pfundstein hatte zudem den Taschenrechner bemüht und konnte insgesamt mehr als 60 Jahre addieren, die Teufel in der Schule gewesen ist. Der Bürgermeister freute sich, dass der Bald-Pensionär in verschiedenen Gremien und Organisationen weiterhin aktiv bleiben will. Als Geschenk hatte er ein Weinpräsent und – für die viele neue Freizeit – eine Dauerkarte fürs Zeller Schwimmbad mitgebracht. »Bitte tauchen Sie nicht zu lange ab. Sie werden noch gebraucht«, schloss er seine Rede, nicht ohne auch die Grüße der anderen Talbürgermeister, des Gemeinderats und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Zell überbracht zu haben.
Seitens des Personalrats richtete Johanna Schaeffer Abschiedsworte an Martin Teufel. Erst dreieinhalb Jahre sei es her, dass sie alles Gute zum neuen Amt gewünscht habe. Sie hob insbesondere die Leistung hervor, den Bau der Mensa neben dem Schulbetrieb zu managen und den Gemeinderat von notwendigen Investitionen in die Schule zu überzeugen.
Horst Koller vom SBBZ Lernen sprach im Namen der Schulleiter-Kollegen. Er drückte seine Bewunderung für Teufels Talent aus, mit Verwaltung und Stadtrat umzugehen, dankte ihm für das Engagement, das über die Mauern des Ritter-von-Buß-Bildungszentrums hinaus reichte und überreichte ein Geschenk der Kollegen, das auf die weltlichen Genüsse wie Essen und Trinken ausgerichtet war. »Alles Gute für die Nachschulzeit!«, wünschte er im Namen der Rektoren der anderen Talschulen.
Elternbeiratsvorsitzender Ewald Glatz bedankte sich für die konstruktive Zusammenarbeit. Er erinnerte vor allem an den gemeinsamen Kampf für eine neue Bushaltestelle und überreichte als Geschenk einen schwarzen Mini-Käfer.
Musischer Abschied
Als erstes hatten sich jedoch die Grundschulkinder von Rektor Teufel verabschieden dürfen. »Wir wünschen, dass das Leben das Beste für Sie noch bereithält«, hieß es aus dem Kindermund. Zum Abschied hatten sie einen flotten Tanz zum Lied »Ein Hoch auf uns« von Andreas Burani einstudiert. Und es gab noch mehr Musik für den bekennenden Rolling Stones-Fan. Der Lehrerchor sang eine textlich angepasste Version des Rolling Stones-Klassikers »Paint it black« – eine Anspielung auf Teufels schwarzes Käfer-Cabrio, ein »flexibles Lehrerensemble« gab zudem den Hit »Satisfaction« in einmaliger Besetzung zum Besten. Der Rocksong wurde mit E-Gitarre, Oboe, Blockflöte, Saxophon und Klavier neu interpretiert.
Durch die gesamte Verabschiedungsfeier führte charmant Konrektorin Verena Roschach.
Stationen des Lehrerlebens von Martin Teufel
1971: Abitur am Wirtschaftsgymnasium Offenburg
1971 bis 1975: PH Freiburg, Studium der Mathematik und Physik
1975 bis 1984: Referendar und Lehrer an der Grund- und Hauptschule Vöhringen
1984 bis 1988: Lehrer an der Grundschule Oberwolfach
1988 bis 2008: Lehrer an der Brandenkopfschule Oberharmersbach
2008 bis 2012: Rektor an der Ziegelwaldschule Gengenbach
2012 bis 2014: Abteilungsleiter der Werkrealschule im Schulverbund Gengenbach
2014 bis 2018: Rektor des Ritter-von-Buß-Bildungszentrums Zell a. H.

Autorin: Susanne Vollrath, Schwarzwälder Post